Headline
Einer der zentralen Grundgedanken der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) ist die Vorstellung von der „Entsprechung zwischen Himmel und Mensch“. Der menschliche Körper wird als Abbild der Natur betrachtet. Deshalb sollten sich seine physiologischen Aktivitäten an den natürlichen Rhythmen und dem Wechsel der Jahreszeiten orientieren, um das Gleichgewicht von Yin und Yang zu bewahren.
Schon die alten Chinesen sagten sinngemäß: „Wer gut zu den Zi- (23:00–01:00 Uhr) und Wu-Zeiten (11:00–13:00 Uhr) schläft, braucht weniger Nahrungsergänzungsmittel.“ Der Schlaf zu diesen Zeiten wurde sogar bildhaft als „die Lebenskraft des Himmels und der Erde zu nutzen“ beschrieben.
Der Mittagsschlaf – eine wichtige Tankstelle für die Gesundheit!
1. Westliche Medizin: Müdigkeit und Stimmung verbessern
● Müdigkeit und Schläfrigkeit lindern
Ein 2017 im „World Journal of Sleep Medicine“ veröffentlichter Artikel verweist auf eine Studie, nach der ein Mittagsschlaf von mehr als zehn Minuten Müdigkeit und Schläfrigkeit deutlich verbessern kann. Auch Reaktionsgeschwindigkeit und Aufmerksamkeit können sich verbessern. Bei einem Mittagsschlaf von mehr als 30 Minuten kann es allerdings nach dem Aufwachen eine gewisse Zeit dauern, bis man wieder vollständig leistungsfähig ist.
Ein kurzer Schlaf am Tag kann außerdem den nächtlichen Schlaf ergänzen. Bei Schichtarbeitern kann er Müdigkeit und Erschöpfung reduzieren.
● Gedächtnis verbessern
Nach einem kurzen Mittagsschlaf fühlt sich der Kopf oft deutlich klarer an. Studien zeigen, dass ein Mittagsschlaf das Lernen und die Gedächtnisleistung unterstützen kann.
● Stimmung verbessern
Ein kurzer Schlaf am Tag kann die Stimmung und das psychische Wohlbefinden verbessern. Eine 2010 in „Psychiatry & Clinical Neurosciences“ veröffentlichte Studie zeigte, dass nach dem Mittagsschlaf Gefühle von Freude und Entspannung zunahmen.
● Herz-Kreislauf-Erkrankungen reduzieren
Eine 2019 online in der Fachzeitschrift „Heart“ veröffentlichte Studie kam zu dem Ergebnis, dass Menschen, die gelegentlich – etwa ein- bis zweimal pro Woche – einen Mittagsschlaf machen, im Vergleich zu Menschen ohne Mittagsschlaf ein um 48 % niedrigeres Risiko für Schlaganfall oder Herzinsuffizienz hatten.
2. TCM: Im Sommer besonders wichtig – Energie und Vitalität wiederherstellen
Die TCM misst dem Schlaf zu den sogenannten Zi- und Wu-Zeiten eine besondere Bedeutung bei. Ein kurzer Mittagsschlaf kann das Yang im Körper unterstützen. Im Sommer sind die Tage länger, die Nächte kürzer und der Energieverbrauch des Körpers höher. Dadurch können die Kräfte schneller nachlassen.
Ein kurzer Mittagsschlaf kann helfen, die verbrauchten Kräfte und die „Essenz, Energie und den Geist“ wiederherzustellen, die Widerstandskraft gegenüber sommerlicher Hitze und Feuchtigkeit zu stärken und die Leistungsfähigkeit zu verbessern.
Für einen erholsamen Mittagsschlaf sollte man zwei Punkte beachten
Wenn man sich mittags gut erholt, ist man auch für die zweite Tageshälfte besser gerüstet. Manche Menschen fühlen sich nach dem Mittagsschlaf jedoch benommen und noch müder als vorher. Das kann daran liegen, dass sie zu lange oder ungünstig geschlafen haben.
1. Der richtige Zeitpunkt und die richtige Dauer
Beim Mittagsschlaf sollte man das richtige Maß finden. Grundsätzlich wird empfohlen, ihn eher kurz zu halten. Zwischen 13 und 14 Uhr sind etwa 15 bis 30 Minuten für viele Menschen angemessen.
Dr. Wu Xi schrieb 2015 in der „Health Times“, dass unmittelbar nach dem Mittagessen viel Blut zum Magen fließt und dadurch die Sauerstoffversorgung des Gehirns vorübergehend abnehmen kann. Sofort nach dem Essen einzuschlafen, sei deshalb nicht empfehlenswert.
Am besten geht man nach dem Essen zunächst etwa zehn bis 15 Minuten spazieren und ruht sich danach aus.
2. Die richtige Schlafposition
Viele Menschen machen ihren Mittagsschlaf, indem sie den Kopf auf den Schreibtisch legen. Diese Schlafposition ist jedoch nicht empfehlenswert. Zum einen ist sie unbequem, zum anderen wird der Hals dabei nach vorne gebeugt. Das kann bei längerer Dauer die Halswirbelsäule und die Nackenmuskulatur belasten.
Außerdem kann das Schlafen mit dem Kopf auf dem Tisch die Atmung und die Durchblutung beeinträchtigen. Nach dem Aufwachen können dadurch Schwindel, Sehstörungen, Ohrgeräusche oder Taubheitsgefühle auftreten. Statt sich zu erholen, kann man sich dadurch sogar noch erschöpfter fühlen.
Für Berufstätige empfiehlt es sich daher, im Büro möglichst einen klappbaren Liegestuhl oder ein U-förmiges Nackenkissen bereitzuhalten. Während der Mittagspause kann das Nackenkissen den Hals stützen, während man sich an die Rückenlehne anlehnt und sich ausruht.
Sin Jung Jeon
Hoch qualifizierte TCM-Spezialistin mit fundierten Ausbildung und langjähriger praktischer Erfahrung.